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"Ich denke zuviel"
(Tagblatt, Ausgabe für den Kanton Thurgau vom 8. März
2005)
Der Frauenfelder Kevin Mc Loughlin schreibt Gedichte und
gibt sich mit Antworten nicht zufrieden
frauenfeld.
Gedichte eines jungen Frauenfelders erscheinen demnächst in einem
Sammelband. Dass bereits ein Lyrikband mit dem gleichen Titel existiert,
sei ein «saublöder Zufall», sagt Kevin Mc Loughlin.
von Jonathan
Fisch
Gedichte.com ist
ein Forum für Schreibende, die ihr Gedankengut nicht in einer Schublade
aufbewahren wollen, sondern im Internet mit der Welt teilen. Dieses Forum
nutzt der 22-jährige Frauenfelder Kevin Mc Loughlin, seit einigen Jahren
veröffentlicht er dort Gedichte. Kürzlich haben sich einige Jungschreiber
aus der virtuellen Gedankenschmiede zusammengeschlossen. Am 25. März
erscheint ihr Sammelband «wortgestöber» mit lyrischem Inhalt.
Immer gerne geschrieben
Die Idee, ein Buch
zu veröffentlichen, hatte Margot S. Baumann, ein Mitglied des Forums. «Sie
hat das Zepter in die Hand genommen», erzählt Kevin Mc Loughlin. Baumann
habe die Schreiberlinge dazu ermutigt, ihr Texte zu schicken, die sie in
ihrem Verlag publizieren werde. Aus Mc Loughlins Gedichtesammlung werden
drei Texte in diesem Buch erscheinen. Schreiben ist für den 22-jährigen
Frauenfelder nicht erst ein Thema, seit er dichtet. «Ich mochte die
Sprache schon immer», sagt er. Bereits während der Schulzeit habe er gerne
Aufsätze geschrieben. «Ich habe immer gerne mit der Sprache geprobt», fügt
er an. Nach der Matura hat er in Bern mit dem Germanistik-Studium
begonnen. Zurzeit pausiert er jedoch und unterrichtet Sekundarschüler in
Englisch.
Nicht Suche nach
Lebenssinn
In seinem Studium
hat er sich erstmals mit Poetik auseinander gesetzt. «Dort bin ich zum
dichten gekommen», sagt der Frauenfelder. Dann habe er das Lyrik-Forum in
Internet entdeckt. «Ich habe gemerkt, wie erfrischend es ist, zu
schreiben», erzählt er. Die Mitglieder im Forum hätten ihm Rückmeldungen
gegeben und «kein Blatt vor den Mund genommen». «Ich habe mich dadurch
entwickelt. Mein Stil hat sich seither verändert.» Anfangs habe er
expressionistische Texte geschrieben. Mittlerweilen verfasse er auch
experimentelle Gedichte. «Zum Beispiel solche mit Wortspielereien.» Er sei
ein gemütlicher und aufgestellter Typ, beschreibt er sich selbst. Was er
aber gegen aussen darstelle und wie er innerlich sei, das seien zwei
verschiedene Sachen. «Ich denke zu viel und hinterfrage zu viele Sachen»,
beschreibt Mc Loughlin sein Innenleben. «Und wenn ich eine Antwort finde,
hinterfrage ich diese auch wieder. Es ist wie ein Perpetuum mobile.» Den
Sinn des Lebens suche er aber nicht. «Ich gehe davon aus, dass es keine
Antwort darauf gibt.» Da stellt ein Mensch zu viele Sachen in Frage, sucht
darauf nach Antworten, gibt sich mit denen aber nicht zufrieden in der
Annahme, dass es gar keine abschliessenden Antworten gibt. Ein
überflüssiger Denkprozess also? «Nein», sagt er. «Würde ich die Fragen
nicht stellen, wäre es mir zu langweilig.» Schliesslich gebe es die
interessantesten Gespräche dann, wenn keine klaren Antworten vorhanden
seien, hält er fest.
Leser muss interpretieren
Seine
Sprachwerke will der Poet nicht kommentieren. «Ich schreibe sie.
Interpretieren muss sie der Leser.» Ein Gedicht könne für jede Person
wieder eine andere Bedeutung haben. Dennoch gibt er etwas über eines
seiner Gedichte preis. «Das Gedicht ‹Tal der Reue› ist sehr persönlich»,
erzählt er. Es sei eine Entschuldigung nach einer gescheiterten Beziehung,
in der er vieles falsch gemacht habe. Ab 25. März ist das Buch «wortgestöber»
im Buchladen erhältlich. «Allerdings nur in Bern», ansonsten müsse man das
Buch bestellen. Das im Handel bereits ein Lyrikband mit dem gleichen Namen
existiert, bezeichnet der junge Lyriker als «saublöden Zufall».
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