Aus der Nebelzone
(Biel-Bienne vom 03.03.04)
kari-kani: der Traum vom eigenen Verlag
von Andrea Auer
allein
Doppelbett
kalt und gross
Zahnbürste wählt zwischen zwei Bechern
Einzeltisch
mit mehreren Stühlen
"Manchmal muss
man weinen, damit der Blick wieder klar für das Wesentliche wird."
So hält Margot S.
Baumann, 39, aus Worben Erfahrungen fest. Bringt Erlebtes auf den Punkt,
schreibt, was sie berührt, und berührt damit andere. Den Studener Stefan
Krebs etwa. Er, "sonst kein Gedichtemensch", wollte daraus gleich ein Buch
machen. Die erste Auflage - "Handarbeit!" - war im Nu ausverkauft, Krebs'
Appetit geweckt. Im Januar 2003 erschien die zweite Auflage von "Wind und
andere Gedichte", erstmals im kari-kani Verlag.
Ausgewählt.
"Im Gegensatz zu
neuen Medien bleibt ein Buch ungeachtet der Technik ein Buch, egal, ob es
aus dem 19. oder 21. Jahrhundert stammt", schwärmt der Krebs, der seit
zwanzig Jahren als Steve Logan Krebs Kurzgeschichten und Romane schreibt.
Bis zu drei Stunden braucht der 33-Jährige für die Herstellung eines
handgebundenen Buches. "Der Verlag ist ein Hobby, von dem wir zum Glück
nicht leben müssen." Ihre Brötchen verdient Baumann bei der reformierten
Landeskirche, Krebs arbeitet "80 Prozent für den Bund und die restlichen
120 Prozent für den Verlag".
Um kari-kani
(Graugans-Krebs) zu einem Begriff werden zu lassen, besuchten Baumann und
Krebs Buchmessen, "auch wenn wir im Tümpel der kleinen Fische ein noch
kleinerer Fisch waren". Nun lassen sie ihre Arbeit als Werbung sprechen,
veröffentlichen Gedichte auf entsprechenden Websites und machen bei
Wettbewerben mit. So wurde Baumanns Gedicht "wohin" von der
Nationalbibliothek für deutschsprachige Gedichte in München für den Band
"Ausgewählte Werke" übernommen.
Erlebt.
"Egal, ob der
Verlag Erfolg hat oder nicht, wichtig ist, dass es die Bücher von Margot
Baumann überhaupt gibt", erklärt Krebs, der ihr seinen Roman "Schnee"
gewidmet hat. Der Krimi erschien im Oktober auf Deutsch, nachdem Krebs
lange nur in Englisch geschrieben hatte. "Ich habe wohl im Kino zu viel
Indiana-Jones-Filme gesehen", lacht der langjährige Titelbild-Illustrator
des "Film Music Journal" der Swiss Film Music Society.
Das Lektorat seiner
Bücher erledigt Baumann. Sie war bereits in der Schule fasziniert von
Wörtern und Geschichten und begann früh selber zu schreiben. "Das Übliche:
Pubertät, erste Liebe - erste Gedichte." Auch heute findet die begeisterte
Golfspielerin und Tolkien-Leserin Ideen für ihre Gedichte im alltäglichen
Leben. Mit einem Balladenbuch stiess die Lyrikerin nach ihren ersten
beiden Gedichtesammlungen in neue Gefilde vor, entführte ihre Leser in die
Welt von Drachen und seltsamen Wassermenschen. Nun erscheint im März ihr
neuestes Werk "Gewitter - Gedichte aus der Nebelzone des Lebens", erneut
Gedanken einer wachen und modernen Frau, die mit präziser Feder das Leben
von seiner melancholischen Seite dokumentiert.
"Ich erhalte
erstaunlich viele Rückmeldungen von Teenagern, die schreiben, sie hätten
genau das Gleiche erlebt, und mich um Rat fragen." Baumann selber erhält
auch oft Ratschläge - unerbeten. "Viele wollen mir helfen, weil sie
aufgrund meiner melancholischen Gedichte denken, ich sei eine leidgeprüfte
Frau und hätte Schreckliches erlebt. Aber das stimmt nicht!"
Konstruktive Kritik
und Hilfe in Form von Buchbestellungen werden hingegen gerne
entgegengenommen unter www.karikani.com.
"Schnee"
von Steve Logan Krebs
Frischer Schnee
bedeckt die Kleinstadt Elroy unter einer weissen Decke. Eine Frau wird tot
in ihrer Wohnung aufgefunden. Haben der Polizist Jack Mullins, der sein
Gedächtnis verloren hat, oder die gestohlene Tasche voller Geld etwas
damit zu tun? Oder Margot Fraser, die Frau mit Vergangenheit? Detektiv
Andrew Helfer muss den Schuldigen schnappen. Kein leichtes Unterfangen,
zumal seine Frau todkrank ist. Ein packender Krimi, der auf mehr Lektüre
aus dem Hause kari-kani hoffen lässt.
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