Leseprobe:
|
Fleisch
Ich bin korrekt, in allen meinen Taten
stets kontrolliert vernünftig unterwegs.
Das, was die Menschen allgemein erwarten,
das leiste ich und mir dann deren Steaks.
Mein Hirn benötigt ständig Proteine,
ich esse Fleisch, auch weil ich’s gerne mag.
In meiner Wohnung steht eine Maschine,
die beint die Menschen aus, die ich vertrag.
Und das sind, welche gerne für mich sterben.
Die andern haben Angst und die macht zäh.
Das würde mir den Appetit verderben,
der Schlachter in mir denkt an den Gourmet.
Und weil ich bei der Auswahl so genau bin
Erklärte mich mein Richter für gesund
Ich kann fürs erste nicht zur Fleischbeschau hin,
doch irgendwann vergelt’ ich’s, Pfund für Pfund.
Text (c) 2005, 2006 Matthias Borchelt
Dieses Gedicht erscheint mit verschiedenen anderen des Autors in der
Sammlung HeftigeDichte im Frühjahr 2006
|